| Einleitung |
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Einbau
St. Marienkirche in Müncheberg
Quelle:
Architektur in Berlin Jahrbuch 1997, Autor: Horst Seferenz
In der eine Autostunde östlich von Berlin gelegenen märkischen Kleinstadt
haben sich auf Initiative engagierter Bürger, die in dem durch schwere
Kriegszerstörungen gesichtslos gewordenen Ort ein kulturelles Zentrum
schaffen wollten, ein Förderverein, die Kirchengemeinde und die Kommune
zusammengefunden, um die Ruine der ehemaligen Stadtpfarrkirche mit
neuem Leben zu erfüllen.
Die seit 1991 entwickelte Konzeption sieht vor, das Gebäude nicht
nur für Gottesdienste, sondern auch als Kulturhaus, Stadtbibliothek,
Gemeindebüro und Sitzungssaal zu nutzen.
Das Preisgericht eines eingeladenen Wettbewerbs kürte 1994 einstimmig
den Beitrag des Berliner Architekten Klaus Block, dessen unkonventioneller
Entwurf in Verbindung mit der innovativen Idee einer profanen und
sakralen Mischnutzung erst durch das Engagement der Landeskirche für
das "Pilotprojekt" gegen die Einwände vor Ort auf den Weg
gebracht werden konnte.
(...)
Klaus Blocks "Regal" variiert das architektonische Thema
vom "Haus im Haus", wie dies Oswald Mathias Ungers im Deutschen
Architekturmuseum in Frankfurt a. M. durchgespielt hat, auf originelle
und eigenständige Weise.
(...)
Im Prinzip der Reversibilität als konstruktiver Prämisse kommt der
Respekt vor dem historischen Bauwerk zum Ausdruck, das in seinen überkommenen
Proportionen erlebbar bleibt und in dessen Hülle der Einbau den Charakter
einer Rauminstallation gewinnt. |
Entwurf




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Formal
interpretiert der Entwurf drei Motive.
Erstens das Motiv des Gastes:
Mit den notwendig gewordenen neuen Räumen der Gemeinde verhält es
sich ähnlich wie mit der Rüstung eines Restaurators in einem historischen
Gebäude. Der Restaurator baut seine Rüstung auf, er verhängt sie,
er richtet sich ein und beginnt zu arbeiten - über Wochen, Monate,
Jahre und länger, von den Besuchern akzeptiert, weil es für die Erhaltung
der Substanz unabdingbar notwendig ist; ein gern gesehener Gast, der
sein Haus mitgebracht hat und es wieder abbauen wird, wenn er seine
Arbeit fertiggestellt hat. Mit ihm erfreut man sich am Fortgang seiner
Arbeit und bald wird er und seine Behausung als integraler Bestandteil
des Gebäudes angesehen.
Zweitens das Motiv der architektonischen Körper:
Ähnlich dem gebauchten Teil eines Schiffsrumpfes liegt der Körper
des Einbaus vor der Langwand und bildet mit dem Campanile -dem freistehenden
Turm- eine skulpturale Einheit, die in einem mehrdeutigen Gleichgewicht
ruht.
Drittens das Motiv des historischen Raumes:
Mit dem Einbau wird das verlorengegangene Motiv der Zweischiffigkeit
thematisiert. Der Entwurf beschreibt in seiner Ausdehnung das ideelle
Volumen und betont die ehemals starke Längsausdehnung des Kirchenschiffes.
Die überkommene Raumfolge bleibt erhalten und ist weiterhin erlebbar.
Zum Einbau:
Der Entwurf organisiert die neuen Räume in einem eigenständigen, freihstehenden,
schmalen Baukörper entlang der Langhausnordwand über 4 Etagen.
Zwischen dem neuen Baukörper und der Langhauswand erschließt eine
einläufige Treppe die Etagen. Ein freistehender Aufzug - über Stege
mit dem Einbau verbunden - ergänzt die Erschließung.
Während die Erdgeschoßzone extrem schmal gehalten ist, werden die
Nutzflächen durch die Ausbauchung des Baukörpers nach oben hin größer.
Im Erdgeschoß des Einbaues liegen die Nebenräume: Garderobe, WC`s,
Teeküche, Stuhl-, und Stellwandlager.
Im 1. OG befinden sich das Gemeindebüro und der Eingang zur Bibliothek
mit Ausleihe, Stellfläche und einer internen Erschließung zum oberen
Teil der Bibliothek.
Im 2. OG liegt der größere Teil der Bibliothek. Über die interne Treppe
ist er mit dem Ausgang der Bibliothek im 1. OG verbunden. Der vorhanden
direkte Zugang zur Haupttreppe dient als Notausgang.
Im 3. OG befindet sich der teilbare Gemeindesaal mit einer kleinen
Teeküche, die - wie ein verschiebbarer Teewagen konstruiert - auch
als Raumteiler dient.
Im Erdgeschoßbereich kann die gesamte zum Langhausraum hin orientierte
Wandfläche aufgeklappt werden (ähnlich der Bauweise eines Marktfahrzeuges)
und dient so als Vordach für eine Fläche, die als kleine Bühne benutzt
werden kann. |
Details

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Die
Konstruktion besteht aus einer vorgefertigten freistehenden Stahlrahmenkonstruktion.
Durch den Achsabstand von 1,50 Metern bis zu 2 Metern wird die konstruktive
Deckenhöhe minimiert. Die Längsausteifung wird über Diagonalen an
der Nordseite realisiert. Die Rahmen dienen dem vertikalen Raumabschluß
als Unterkonstruktion. Der vertikale Raumabschluß besteht aus Ganzglasscheiben;
an der Süd-, West-, und Ostseite mit - pro einem Feld - einem rahmenlosen
Ganzglasschiebefenster, das zu Reinigungszwecken zu öffnen ist. |
Bauschild
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Einbau St. Marienkirche Müncheberg |
| Adresse |
Am
Kirchberg, 15374 Müncheberg |
| Öffnungszeiten |
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| Baujahr |
1996
- 1997 |
Architekten
(Umbau)
Mitarbeit: |
Klaus
Block, Berlin
Susanne Günther (Projektleitung)
Heike Simon (Entwurf)
Siegfried Casteleyn (CAAD)
Gabriele Schultheiß (Entwurf Außenanlage)
Thomas Brunsch (Bauleitung Außenanlage) |
| Statik |
Büro
Dierks, Babilon und Voigt, Berlin |
| Haustechnik |
Planungsteam
Energie und Bauen, Berlin |
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Literatur |
Architektur in Berlin
Jahrbuch 1997
Seite 118 - 121; Autor Horst Severenz
Hrsg. von der Architektenkammer Berlin.
1997, 179 S., Abb., kt.,
DM 68, Junius Verlag
>> Rezension
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Kommentare und Berichte
Highlights im Patchwork des Stadtsaums
Allerneueste Berliner Bauwerke präsentiert die Jahresschau der Berliner Architektenkammer
"da!"
VON FRANK PETER JÄGER
(...)
Der Berliner Architekt Klaus Block wurde mit der Wiederherstellung der im Krieg
beschädigten Schinkelschen Elisabethkirche an der Invalidenstraße betraut. Vertreten ist
er hier aber mit seinem Entwurf zur Wiederherstellung und Umnutzung der Marienkirche im
brandenburgischen Müncheberg, die ebenfalls seit dem zweiten Weltkrieg Ruine war. Er
integrierte die Gemeinderäume und die städtische Bibliothek in den für die heutige
Gemeinde überdimensionierten Kirchenraum. Das mit einer Lamellenhaut aus Eschenholz
verkleidete zweite Gehäuse steht auf schmalem Fuß im westlichen Kirchenschiff. Nach oben
baucht es sich aus wie ein Schiffsrumpf. Vom Chor betrachtet sieht es so aus, als sei die
Arche Noah im Kirchenschiff angelandet. (...)
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